Philosophie
Die Kurzfilmreihe „The Dominatrix – Tales“ versteht sich als künstlerischer Beitrag zur Erweiterung gängiger erotischer Darstellung – mit Anspruch, Ironie und Tiefe.
Jede Episode dieser losen Folge (max. 6 Minuten) zeigt eine Schauspielerin in der Rolle einer Domina, eingebettet in eine kleine, zugespitzte Geschichte mit überraschendem, selbstironischem Twist am Ende. Dadurch wird die erste Interpretation regelmäßig unterlaufen – es entsteht ein Spiel mit Wahrnehmung, Macht und Erwartung.
Die Idee basiert auf der Beobachtung, dass die Figur der Domina – einst filmisch prominent etwa in Die flambierte Frau – heute trotz gesellschaftlicher Offenheit kaum noch kreativ oder vielschichtig behandelt wird. Besonders auffällig ist die Abwesenheit von weiblich dominanter Sexualität und S&M-Elementen in aktuellen deutschen erotischen Produktionen – selbst dort, wo ansonsten mit sexueller Vielfalt geworben wird.
Die „Dominatrix-Tales“ wollen genau hier ansetzen: Als Kontrapunkt zu einer überholten, eindimensionalen Vorstellung von Erotik, die weibliche Macht und Selbstbestimmung noch immer zensiert oder als „Spezialinteresse“ ausgrenzt. Die Dominatrix wird dabei nicht voyeuristisch, sondern spielerisch, ironisch, charakterzentriert in Szene gesetzt – als vielschichtige Figur, die jede Schauspielerin ganz individuell füllt. Die Filme bieten daher nicht nur eine Bühne für das Thema, sondern auch ein Showcase weiblicher Ausdruckskraft – geeignet für Festivals wie auch als modernes Schauspielerinnen-Showreel.
Als Inspiration dienen die Filme von Luis Buñuel, dessen Zitat aus Mein letzter Seufzer das Konzept auf den Punkt bringt:
„Der Reiz, den sexuelle Perversionen auf mich ausüben, ist rein theoretischer und äußerlicher Natur. Sie amüsieren und interessieren mich, aber in meinem eigenen Sexualverhalten bin ich von perversen Neigungen völlig frei.“
Buñuels Haltung – neugierig, beobachtend, ironisch – prägt jedes einzelne „Tale“, dem er deshalb gewidmet ist.
Ergänzt wird die künstlerische Grundlage durch ein Zitat von Bob Dylan, das die Haltung gegenüber Konventionen beschreibt:
„Come writers and critics who prophesise with your pen … The times they are a-changin’.“
Die „Dominatrix-Tales“ wollen Teil dieser Veränderung sein – inhaltlich, visuell und gesellschaftlich.
– Frank Peter Lenze